Umwelt & Verkehr

Klimaschutz und Verkehrswende

Die Stadt Hagen ist ein sehr bedeutsamer Verkehrsknoten in Nordrhein-Westfalen – sowohl im Bereich des Individualverkehrs als auch im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Der Hagener Hauptbahnhof ist mit seinen vielen Fernverkehrs- und Regionalverbindungen ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Bahnreisende. Darüber hinaus verbinden die Autobahnen, die unsere Stadt durchqueren, die Menschen in Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus. Das sind ideale Voraussetzungen für den Wirtschaftsstandort Hagen.

Das innerörtliche Straßennetz und unsere Brücken sind allerdings seit Jahren dem „Verschleiß“ ausgesetzt. Sperrungen und Einschränkungen prägen bereits jetzt einzelne wichtige Verkehrsadern. Die Stadt muss jetzt entschieden die Sanierung der Straßen und Brücken vorantreiben und die Chancen für ein neues und ineinandergreifendes Verkehrskonzept nutzen. Bei allen Maßnahmen sind noch größere und langfristige Behinderungen für unsere Verkehrsadern weitestgehend zu vermeiden. Hagen darf den Anschluss nicht verlieren und möglicherweise Brückensperrungen mit katastrophalen Auswirkungen für den Gesamtverkehr riskieren.

Die Bahnhofshinterfahrung ist eine Entlastung für den Bereich vor dem Hagener Hauptbahnhof und im Verkehrsraum Altenhagener Brücke. Diese neue Situation bietet nun die Chance, den Bahnhofsvorplatz neu zu gestalten und ihn für integrative Verkehrskonzepte zwischen Fahrrad, ÖPNV, Auto und Fußgänger zu optimieren. Eine Fahrradstation, die den modernen Ansprüchen an Sicherung und Wartung der Räder entspricht, muss deshalb ein fester Bestandteil der neuen Ausrichtung sein.

Die neue Bahnhofshinterfahrung bietet nun auch die Chance, die in städtebaulichen Fachkreisen eher als Katastrophe denn als Meilenstein bekannte Brückenhochkonstruktion zu ersetzen. Das beinhaltet einen Abriss und die komplette Neuordnung der Verkehrsströme. Sicher sind noch viele Fragen zu klären, aber die Weichen für eine den Bürger*innen wohltuende Verkehrspolitik müssen jetzt gestellt werden.

Wir stehen vor der Herausforderung, einerseits einen wirksamen Klimaschutz zu betreiben und andererseits der wirtschaftlichen Bedeutung unserer Verkehrswege gerecht zu werden. Aktuell ist unser Verkehrsnetz eher monofunktional auf den Autoverkehr ausgerichtet. Die Lebensqualität in unserer Stadt bemisst sich aber auch daran, wie wir mit unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln von A nach B kommen. Wer kein Auto hat oder darauf verzichten möchte, ist auf Alternativen wie Bus und Rad angewiesen. Doch leider ist der öffentliche Nahverkehr (insbesondere in den Abendstunden und an den Wochenenden) in Hagen noch keine Alternative zum Auto. Und für ihre geringe Fahrradfreundlichkeit wurde unserer Stadt schon mehrfach die „Rostige Speiche“ vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) verliehen. Das Fahrradfahren muss ein gleichberechtigter Teil eines integrativen Verkehrskonzeptes werden. Dazu ist es unablässig, dass die Gefahrenräume für die Radler*innen in Hagen verschwinden.

Angesichts maroder Straßen und Brücken sowie der unattraktiven ÖPNV- und Radwegenetze müssen wir jetzt handeln. Wir brauchen dabei eine echte Wende in der Verkehrspolitik und einen konsequenten Vorrang für den ÖPNV bei allen verkehrspolitischen Entscheidungen. Denn wesentlicher Standortfaktor ist ein attraktiver und funktionierender Bus- und Bahnverkehr, der sicherstellt, dass Eltern zur Arbeit und die Kinder zur Schule kommen. Der ÖPNV muss in Hagen wieder zu einer zentralen Lebensader werden, damit alle Menschen – ob Jung oder Alt, ob mit oder ohne Behinderungen – sicher und preiswert am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Seit 2014 hat die SPD- den Busverkehr besser gemacht – gegen den Widerstand der anderen Parteien und der Verwaltung! Ende 2019 wurden zum Fahrplanwechsel rund 3 Mio. Euro investiert und ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation getan.

Gleichwohl müssen die Angebote der Hagener Straßenbahn AG in den Abend- und Nachtstunden und auch an den Wochenenden weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus ist die Linienführung mit dem Ziel zu optimieren, die Reisezeiten zu verkürzen und abseits gelegene Wohngebiete besser zu erschließen. Linien mit demselben Fahrtziel müssen die Endhaltestelle zu unterschiedlichen Zeiten erreichen; Parallelfahrten müssen vermieden werden. Generell könnten in Randgebieten und zu Randzeiten kleinere Busse eingesetzt werden. Auch sollte der Fahrplan und die Linienführung beispielsweise mit der Deutschen Bahn AG sowie den ebenfalls mit Linien in Hagen fahrenden auswärtigen Verkehrsunternehmen (VER, MVG, BVR und Bogestra) abgestimmt werden. Vorrangschaltungen bei den Ampelanlagen sowie die Einrichtung weiterer separater Fahrspuren für Busse, Taxen und Radfahrer*innen gehören ebenfalls zu einem effektiven Konzept.

Wir werden auch für die Einführung des sog. 365-Euro-Tickets sorgen. Mit dieser Jahreskarte wollen wir den Menschen ermöglichen, sich mit dem öffentlichen Personennahverkehr zum Preis von umgerechnet einem Euro pro Tag uneingeschränkt in Hagen fortzubewegen. Ein solches Modell wurde erstmals in Wien eingeführt, funktioniert aber auch in Deutschland in verschiedenen Städten. Im Gegensatz zu anderen Kommunen wollen wir diese Zeitkarte jedoch nicht ausschließlich für einzelne Nutzergruppen (Auszubildende, Senior*innen, Neukunden) beschränken.

Die Herausforderung unserer Zeit wird es sein, die unterschiedlichen Verkehrsmittel so miteinander zu verknüpfen, dass das daraus ein Gesamtkonzept wird, welches alle Interessenslagen und Mobilitätswünsche berücksichtigt. Da sich mittel- bzw. langfristig das Angebot durch alternative Verkehrsmittel und Verkehrsangebote verändern wird, muss die Hagener Straßenbahn AG diese Konzepte für Hagen mitentwickeln und auch umsetzen. Hier seien Car-Sharing- und Bike-Sharing-Angebote oder selbstfahrende kleinere Transporteinheiten als Beispiele genauso genannt wie die Schaffung neuer Park-and-Ride-Möglichkeiten.

Auch für Elektroautos muss unsere Stadt attraktiver werden. Dafür benötigen wir nicht nur den weiteren Ausbau regenerativer Energien, sondern auch eine Vielzahl reservierter Parkplätze mit entsprechenden Ladesäulen, die mit unserem lokalen Energieversorger zu schaffen sein werden.

Die SPD-geführte Ruhrgebietsstadt Bottrop hat als Modellstadt für das Projekt „Innovation City“ bereits vorgemacht, wie dem Klimawandel auf kommunaler Ebene begegnet werden kann. Hier wird smarte, digitale und klimafreundliche Quartiersentwicklung vorangetrieben und die Durchführung in den Bereichen Vorbereitung, Konzeption und Umsetzung durch eine eigene Gesellschaft unterstützt. Das Ziel der Modellstadt ist die Halbierung der CO2-Emissionen innerhalb eines Quartiers mit 70.000 EinwohnerInnen. Dieses Ziel wird aller Voraussicht nach erreicht werden. Nach dem Bottroper Beispiel werden wir ebenfalls Projektteams für eine klimagerechte Quartiersentwicklungen zusammenstellen. Hier sollen nachhaltige Projekte in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Energie, Mobilität und Stadt fachlich und professionell begleitet werden.

Sicher Fahrradfahren in Hagen

Der Radverkehr wird aufgrund des vermehrten Aufkommens von E-Bikes auch trotz unserer Topografie in Hagen weiter zunehmen. Zwar haben wir durchaus an einigen Stellen Radwege oder zumindest sog. Schutzstreifen – das alles bildet jedoch kein zusammenhängendes Netz. Auch hier machen wir gemeinsam mehr möglich. Wir werden konsequent den Ausbau des Radverkehrsnetzes vorantreiben und dabei mehr auf Radwege als auf Fahrradstreifen setzen. Der Hauptbahnhof muss von allen Stadtteilen aus sicher und alltagstauglich mit dem Rad zu erreichen sein. Darüber hinaus werden wir hier, aber auch andernorts, Stationen zum Abstellen von Fahrrädern schaffen, insbesondere für die Berufspendler*innen.

Wir wollen ein Modellprojekt testen, mit dem – wie schon in vielen anderen Städten existent – an verschiedenen Standorten in den Stadtteilen kostengünstig (E-)Fahrräder gemietet werden können. Und wir werden uns für die Bereitstellung von Dienstfahrrädern für die Mitarbeiter*innen des Konzerns Stadt einsetzen. Für all das wollen wir gemeinsam mit den örtlichen Fahrradclubs die entsprechenden Konzepte entwickeln.

Bahnverbindungen verbessern

Auch im Bereich des Schienenverkehrs gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Der Stadtbezirk Eilpe/Dahl beispielsweise ist lediglich durch die Haltepunkte Oberhagen in seinem Norden und die Haltepunkte Dahl und Rummenohl im Süden des Bezirks angebunden; das eigentliche Zentrum des Stadtbezirks – Eilpe – hat keinen Haltepunkt. Hier wäre zu überlegen, ob ein neuer Haltepunkt der Deutschen Bahn in Eilpe (im Bereich des Einkaufscentrums) geschaffen werden könnte.

Für den barrierefreien Umbau des Haltepunkts Oberhagen hat sich die SPD lange eingesetzt. Die Kosten von rund 190.000 € sind bereits in einer Modernisierungsoffensive (MOV) der Deutschen Bahn festgeschrieben; die Maßnahme wurde aber wegen der Großbaumaßnahme im und am Hagener Hauptbahnhof verschoben. Nicht nur wegen der anstehenden Veränderungen für den Freizeitbereich am Harkort- und Hengsteysee ist es geboten, den S-Bahnhof in Vorhalle zu sanieren und als Hauptanlaufstelle für das Freizeitareal zu nutzen und entsprechend zu bewerben.

Wir müssen für Hagen Mobilität neu denken – hin zu einer umweltverträglichen Fortbewegung. Nur so können der Autoverkehr und damit auch die Schadstoffbelastung in der Innenstadt zurückgedrängt werden. Wenn die Luftqualität verbessert werden soll, müssen wir nachhaltige Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören auch zumindest temporäre Fahrverbote für LKW bzw. optimierte Routen für den Lastverkehr auf der Straße. Es muss gelingen, dass die Hagener Straßen nicht als Ausweich- und Abkürzungsstrecken für die LKW weiterhin genutzt werden. Hagens Schnittstellenlage zwischen drei Autobahnen führt dazu, dass die LKW im Fernverkehr Abkürzungen durch Hagen nutzen. Dies werden wir unterbinden.